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23. Kapitel

Es endet mit fliegenden Autos, dem Lied eines alten Mannes sowie grauenvollen Gesichtern und unerträglichen Smokings.

 

Das Ende des großen Grinsens war unspektakulär und Ekchua wäre darüber so enttäuscht gewesen, dass es in seiner Erzählung nicht einmal vorgekommen wäre.

Das bemerkenswerteste daran war, dass Zwackelmann Cleene den Vortritt ließ, woraufhin sie sich eine Stange aus dem herumliegenden Schutt herauszog und ungehemmt auf ihre Schwester einprügelte. Jeden Schlag unterstrich sie mit einer Anschuldigung:

„Du hast unsere Eltern umgebracht!“

„Und sie halten dich immer noch für die Gute!“

„Deinetwegen habe ich einen doofen Namen!“

„Du hast mein Leben zur Hölle gemacht!“

„Du wolltest mich umbringen!“

„Zweimal!“

„…“ Sie sah sich um bis ihr Fidster zur Hilfe kam: „Sie ist Schuld daran, dass du nicht einmal richtig böse sein kannst?“

„Du bist Schuld, dass ich nicht richtig böse sein kann!“

Sicherheitshalber schlug sie noch ein paar Mal mehr zu, nachdem ihr bereits die Anschuldigungen ausgegangen waren. Dann richtete sie sich auf und grinste die anderen zufrieden an. Der Anblick war erschreckend genug, dass es in einem von Ekchuas Berichten Erwähnung gefunden hätte, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Au war angemessen begeistert.

Man sollte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass der Umstand, dass Cleene sie erschlug, für Groose schlimmer war als ihr Tod selbst. Hätte ihr alter Mentor und Feind Zwackelmann sie mit einem Feuerball eingeäschert, versteinert, eingefroren oder schlicht desintegriert, sie wäre annähernd zufrieden gestorben, denn auch wenn ihr Plan gescheitert war und sie sterben musste, sie wäre durch einen würdigen Gegner gestorben. Aber durch die Hand ihrer Schwester zu sterben war unter ihrer Würde. Leider vertat sie die Chance zu protestieren, als sie dem Mann, den sie als Professor in den Kreis ihrer Mitarbeiter aufgenommen hatte, einen letzten bösen Blick zuwarf. Dass sie noch den Mund aufmachte, bevor sie der erste Schlag traf, führte dazu, dass der Anblick ihres Gesichts Fidster noch Jahre später Alpträume verursachte, in denen er ihre weit aufgerissenen Augen und den fast runden, zahnlosen Mund immer und immer wieder sehen musste.

Glücklicherweise brauchten sie sich nicht mehr lange in diesem Saal aufzuhalten, denn mit der Zerstörung der Energieversorgung, für die der Professor gesorgt hatte, wurden automatisch die Armbrustbewährten Riesenmäuse freigesetzt. Da die Türen zu diesem Raum offen standen, drangen die ersten dieser aggressiven Nager bereits wenige Momente später auch bis hierher vor.

Also rannten sie ein weiteres Mal durch Gänge, die sie nicht kannten immer auf der Flucht vor Verfolgern, von denen sie nicht wussten, ob sie hinter ihnen her waren, auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihr Gefängnis zu verlassen, ohne dabei zu sterben. Fidster enthielt sich eines weiteren Kommentars zu den dauernden Wiederholungen in ihrem Leben, was Cleene jedoch nicht davon abhielt, ihm einen bösen Blick zuzuwerfen („Warum nur? Warum?“).

Allerdings war die Festung des großen Grinsens ein vollständig anderes Gebilde als der Papierflieger der Kommandanten. Hatten sie anfänglich befürchtet, dass man sich in der Festung im Nichts genau so leicht verlaufen würde wie in den weißen Gängen aus Papier, stellte sich bald heraus, dass es überall geschickt platzierte Bildchen mit Pfeilen zu finden gab, die einem Kundigen den Weg fast überallhin wiesen. Es dauerte zwar einen Augenblick, bis sie ausdiskutiert hatten, was die einzelnen Bilder bedeuten sollten („Das muss einen Kugelrianer darstellen.“ „Sei doch nicht albern. Kugelrianer haben nicht nur einen runden Kopf, sondern auch runde Arme und Beine.“ „Auf einen Eckerier passt es aber auch nicht. Die hätten auch einen eckigen Kopf.“ … „Meint der Pfeil nach oben, dass wir durch die Decke klettern müssen?“ … „Warum ist hinter dem Dreieck, dass fast wie ein SylverCrest 300 aussieht eine Reihe von angedeuteten SylverCrests? Sollen dass Schatten sein oder wollen sie damit andeuten, wie schnell der Wagen ist?“), aber irgendwann fanden sie doch den Hangar.

„SylverCrest 400? Ich wusste nicht einmal, dass der schon draußen ist!“

„Es ist nur ein Wagen, Fidster“, sagte Cleene, die sich nur sehr ungerne an Ihre Fahrt mit den Gnomen erinnerte.

„Das weiß ich doch, Cleene. Und ich kenne noch nicht einmal die Spezifikationen oder was das Baby können soll. Es ist nur, dass er eigentlich nicht existieren sollte, irrsinnig teuer sein muss und deine Schwester gleich fünf davon hier stehen hat.“

„Jetzt wissen wir auch, warum mehrere auf dem Bild abgebildet waren, Herr Fidster.“

„Ich glaube nicht, dass es sich um ein Serienmodell handelt. Deswegen wird es auch kein 400er sein“, dämpfte Zwackelmann Fidsters Stimmung.

„Warum glauben sie das?“

„Weil wir uns in einer Festung in der Leere befinden und LeyLineRoads seine Gefährte normalerweise weder mit einem Antrieb für diese Umwelt noch mit Schilden gegen die Leere ausstattet. Und schon gar nicht werden sie einen Dimensionenbrecher in ein Modell von der Stange einbauen. Ich wusste, dass Groose viel Geld ergaunert hatte, ich muss jedoch zugeben, dass ich ihren Reichtum unterschätzt habe.“

„Nützt ihr jetzt auch nichts mehr“, stellte Cleene mit einer Mischung aus Gehässigkeit und Befriedigung fest, weswegen sich Fidster zum Amtszauberer hinüberbeugte und leise fragte: „Jetzt, wo Groose keinen Einfluss mehr auf sie hat, wird sie da bösartig werden?“

„Solange ihr niemand einen Armbrustbolzen in die Stirn schießt, sollten wir keine Probleme bekommen“, antwortete der angesprochene ebenso leise. Laut fügte er hinzu: „Lasst uns keine Zeit verlieren. Es ist immer noch möglich, dass die Wachen ihre Meinung über ihr eigenes Leben und die Treue zu ihrer toten Arbeitgeberin revidieren.“

Natürlich setzte er sich auf den Fahrersitz, was Au gleichgültig war, den beiden Außendienstpylonisten allerdings gar nicht gefiel. Sobald sie jedoch den Schalter für das Tor ins Nichts fanden und sich ihnen schonungslos die Schwärze offenbarte, die den Verstand einsog, das Augenglicht zu verlöschen drohte und jedes Geräusch verschluckte, waren sie dankbar dafür, ihre Hände frei zu haben, um sich die Ohren zuhalten zu können. Das Gefühl, dass außerhalb des dünnen Gehäuses ihres Gefährts etwas gefüllt zu werden verlangte, um doch niemals voller zu werden, konnten sie jedoch nicht aus ihrem Körper vertreiben.

Das Rucken, als sich der SylverCrest von seiner Position im Hangar löste, war nur schwach zu spüren, verdeutlichte ihnen jedoch, dass sie nicht einmal mehr einen Kontakt zur Festung besaßen.

Sie begannen geschlossen zu schreien und hörten auch nicht mehr damit auf, bis Zwackelmann sie anbrüllte: „Ihr könnt jetzt aufhören! Wir sind da!“

Und tatsächlich, als sie endlich wagten, ihre Augen zu öffnen, konnten sie die Sonne und die Wolken über sich sehen. Fürs erste war es sehr beruhigend, dass dort etwas war, das ihre Sicht ausfüllte und nicht selbst gefüllt werden wollte. Der Anblick war tatsächlich so willkommen, dass sie eine ganze Weile benötigten, um ihre Blicke davon abzuwenden und auf den Boden zu werfen, der bedauerlicher Weise viel weiter unterhalb des Wagens lag, als man bei einem Gefährt erwarten sollte, welches über Räder verfügte, um damit über Land zu fahren.

Sie schrien erneut, diesmal mit offenen Augen und Ohren, stellten aber schließlich fest, dass sie bereits länger geschrien hatten, als ihr Fall hätte dauern können.

„Wie ich bereits betont habe, handelt es sich um eine Sonderanfertigung“, betonte Zwackelmann etwas zu selbstgefällig. Die Selbstgefälligkeit hielt so lange an, bis irritiert seine Stirn in Falten legte.

„Es erscheint mir Sinnvoll zu sein, einen Autopiloten einzubauen, für den Fall, dass jemand unkundiges mit diesem Gefährt unterwegs ist. Aber man sollte meiner Meinung nach über die Möglichkeit verfügen, diesen auch wieder ausschalten zu können.“

„Wir fliegen auf Autopilot? Warum fliegen wir auf Autopilot?“

„Ich kann dir diese Auskunft nicht erteilen. Er scheint sich von alleine eingeschaltet zu haben.“

„Und wohin fliegen wir?“

„Mein Kenntnisstand diesbezüglich liegt nur wenig oberhalb dem deinen, Fidster. Ich kann nur erkennen, dass wir über Ländereien fliegen, die ich noch nie von oben gesehen habe, was nicht verwunderlich ist, da ich für gewöhnlich das Fliegen vermeide. Aber ich könnte mir vorstellen, dass jene Stadt dort hinten unser Ziel ist.“

„Sieht irgendwie vertraut aus.“

„Ist das nicht das Amtsgebäude?“

„In Rotandul?“

„Das wäre aber etwas unglücklich für mich, nicht wahr?“

„Warum, Prof?“

„Weil ich nicht der Prof bin, sondern Amtszauberer Zwackelmann, der wegen der Krise immer noch gesucht wird.“

„Sie könnten doch wieder ihre Maske aufsetzen, Herr Zwackelmann.“

„Leider nicht, liebe Au. Eine PermaMask kann man zwar beliebig lange tragen, entfernt man sie jedoch, ist sie zerstört. Ich muss zugeben, dass dies ein geschicktes Geschäftsmodell ist, auch wenn es mir in diesem Fall ungelegen kommt.“

„Na, dann schleichen wir uns aus der Stadt, sobald wir gelandet sind“, schlug Cleene zur Überraschung aller vor. „Wird schon klappen.“

Es klappte nicht, denn der SylverCrest steuerte genau den Landeplatz auf dem Dach des ÖfAFödaBI an, wo er ebenso elegant landete, wie er zuvor geflogen war.

„Warum hat deine Schwester den Autopiloten auf das Dach des ÖfAFödaBI eingestellt?“

„Woher soll ich das denn wissen? Bin ich meine Schwester?“

„Was machen sie da, Herr Zwackelmann?“

„Ich lege mir einen Riemen um die Hände. Ihr solltet mich fesseln und den Verantwortlichen berichten, wie ihr mich in meiner Festung im Nichts gefangen genommen habt. Damit könnt ihr die Belohnung einfordern und habt eine Erklärung, warum ihr mir zusammen gereist seid. Es ist nicht notwendig, dass wir alle ins Gefängnis gehen.“

„Belohnung gefällt mir, aber sie haben mir das Leben gerettet und …“

Zwackelmann hob die Hände und deutete auf die Wächter, die sich bereits dem Gefährt näherten.

„Wir könnten kämpfen, aber ich bin ausgelaugt und müde. Vielleicht würden wir es schaffen, durch das Gebäude hindurch zu kommen, aber die Chancen stehen nicht gut. Ich will nicht am Ende doch noch für euren Tod verantwortlich sein.“

Cleene biss die Zähne zusammen, verknotete am Ende jedoch die Fesseln so fest, dass der Professor sogar ein wenig wimmerte.

 

*

 

„ … betrachte mich und wisse.
Ich bin alt aber unglücklich.“

Fidster beendete das Lied und sein Sohn sah ihn mit großen Augen an.

„Bist du jetzt unter die Sänger gegangen? Noch ein sinnloses Studium?“

„Cleene! Bist das wirklich du? Was machst du hier?“

„Ich dachte, ich besuche dich mal.“

„Schön, dich zu sehen.“ Fidster erhob sich und ging zur Tür, wo seine ehemalige Kollegin an den Rahmen gelehnt stand. Während sie zusammengearbeitet hatten, hatte es mehr als eine Gelegenheit gegeben, zu der sie sich gegenseitig gerne ein Messer zwischen die Rippen gesteckt hätten, aber die Jahre hatten ihren Weichzeichner über die Ereignisse gelegt und es lebten nicht mehr viele, mit denen sie auf ähnliche Weise emotional verbunden waren, wie mit ihren alten Arbeitskollegen. Deswegen fiel die Umarmung überraschend herzlich aus.

„Was treibt dich in diesen abgeschiedenen Winkel des Reichs?“

„Abgeschieden, mein Gesäß! Es gibt nicht einmal eine Karte dieser Gegend.“

„Darf ich dir meinen Sohn Fidstien vorstellen?“, ignorierte Fidster den Vorwurf. „Fidstien? Das ist Cleene, die Frau aus dem Lied, das ich dir vorgesungen habe.“

Der Junge machte einen artigen Knicks, was Cleene zum Lachen brachte. „Wie damals bei deiner fast-Hochzeit?“ Fidster zwang sich ein Lächeln ab und schob seinen Sohn an Cleene vorbei in die Halle. „Geh zu deiner Mutter und sag ihr, dass wir heute Abend einen Gast haben.“

Sobald Fidstien im nächsten Durchgang verschwunden war, schloss Fidster die Tür hinter Cleene und bot ihr einen Sessel an.

„Ich erinnere mich anders an die Ereignisse. Hast sie ein wenig ausgeschmückt für deinen Sohn?“

„Ich habe sogar eher etwas weggelassen. Jetzt aber mal ehrlich: Was treibt dich hierher?“

„Ich wollte dich sehen. Zwanzig Jahre sind ‘ne lange Zeit. Und da ich jetzt wieder ungebunden bin, kann ich wieder reisen.“

„Was heißt ‚ungebunden‘? Hat dich deine Vergangenheit doch noch eingeholt?“

„Mein Mann ist gestorben“, antwortete Cleene emotionslos.

„Äh …“, setzte Fidster an, dessen Scham über den Faux-Pas von der Verwirrung überlagert wurde, dass Cleene tatsächlich jemanden gefunden hatte, den sie heiraten wollte und der gleichzeitig dazu bereit war, sie zu heiraten.

„Kuck nicht so erstaunt. Ja, ich war verheiratet. Mach bloß keinen doofen Witz. Er war ein netter Kerl, aber am Ende sind wir uns doch ein wenig über gewesen und ich gestehe, dass wir uns vermutlich in den nächsten Jahren an die Kehle gegangen wären, wenn er nicht einer Amme begegnet wäre.“

„Einer Amme? Hast du Kinder?“

„Nein, natürlich nicht! Was für eine Idee! Kennst du nicht die schwarzen Vögel mit den gelben Schnäbeln?“

„Du meinst Amseln.“

„Nein, ich meine Ammen. Sie sind größer, fieser und nehmen dich mit in ihr Nest, um dich dort mit Würmern und Schlangen zu füttern. Bis wir ihn gefunden haben, war er bereits an einer Schlange erstickt.“ Die Erinnerung überkam Cleene für einen Moment und sie starrte versonnen in die Ferne.

„Hast du von Au gehört?“

„Wie kommst du jetzt gerade auf Au?“

„Weil du von dem Tod deines Mannes sprachst. Au ist ebenfalls gestorben.“

„So? Woran? Hat sie versucht, freundlich zu Banditen zu sein?“

„Sehr witzig. Nach allem, was ich gehört habe, hat sie sich nach der Geschichte mit deiner Schwester sehr gewandelt und wurde sogar bei der Seidenbrigade aufgenommen. Vermutlich wegen der Rolle, die sie bei der Gefangennahme Zwackelmanns gespielt hat.“

„Dann ist sie einem verrückten Professor begegnet, der sie mit einem Pylonen erdolcht hat?“

„Nein, sie hat sich das Genick gebrochen, als sie versucht hat, fünf Kinder gleichzeitig auszutragen.“

„Ah, frontlastig und eine Treppe runtergestürzt. Tragisch. Fünf Kinder ist aber auch eine Menge. Ich wusste nicht einmal, dass man so viele Kinder gleichzeitig bekommen kann.“

„Mhm, so war es nicht wirklich, aber eigentlich spielt es keine Rolle. Ich hatte ansonsten auch keinen Kontakt mehr zu ihr.“

„Ich auch nicht.“ Sie blickten einen Augenblick gemeinsam ins Feuer, bis Cleene fragte: „Und der Professor? Hast du noch mal was von ihm gehört?“

„Hab ihn besucht. Nur einmal, was nicht daran lag, dass wir uns nicht gut unterhalten hätten. Er schien ehrlich angenehm überrascht zu sein, mich zu sehen. Vermutlich bekommt er nicht viel Besuch.“

„Und warum bist du dann nicht mehr hingegangen?“

„Ach, es war das ganze drum herum, was mich davon abgehalten hat. Wusstest du, dass das ÖfAFödaBI speziell für ihn ein Gefängnis in einer Null-Magie-Zone konstruiert hat?“

„Ich hatte was gehört. Vollkommen übertrieben. Vielleicht hätten wir ihnen doch sagen sollen, dass er den ganzen Kram gar nicht gemacht hat, den sie ihm vorgeworfen haben.“

„Das wäre vermutlich richtig gewesen, aber er wollte es ja so.“

„Hat er dir gesagt, warum?“

„Nein. Aber ich vermute, dass ihn sein Gewissen doch stärker geplagt hat, als er uns hat glauben lassen. Immerhin hat er im Auftrag deiner Schwester spioniert, gemordet und sabotiert.“

„Und deshalb sitzt er jetzt für immer im Gefängnis? Hätte ich ja nicht gemacht. Es ging ihm doch schließlich um etwas Gutes.“

„Ja, aber du bist du und der Professor, ich meine Zwackelmann ist jemand, der lange Zeit nur das Ziel hatte, sich zu rächen und nun vielleicht keinen Sinn mehr darin sieht, vor den Behörden zu fliehen. Ich weiß es ja auch nicht.“

Cleene zog die Schultern hoch. „Ja, gut. Er war immer seltsam, selbst als Prof. Und danach hast du ihn nicht mehr gesehen?“

„Nein. Ich hätte ihn ja gerne besucht. Das Gespräch mit ihm war selbst die lange Anreise wert gewesen. Vielleicht hätte ich sogar noch mehr von ihm erfahren, aber es gibt einfach Grenzen, was man Besuchern zumuten kann.“

„Was war denn noch?“

„Die Kleidung!“ Schmerzverzerrt schloss Fidster die Augen.

„Was für Kleidung?“

„Die die Besucher anziehen müssen. Du machst dir keine Vorstellung davon. Jeder, der zum Professor vorgelassen werden möchte, muss einen Smoking aus lila Zirbelkäferpelz anlegen, dazu eine passende Hose und ein Rüschenhemd von solch abscheulicher Form und Farbe, dass mir allein der Gedanke daran Kopfschmerzen bereitet. Es heißt, dass der Krempel gegen Magie helfen würde. Aber der komplette Bereich ist magietod. Zwackelmann kann dort niemanden verzaubern. Ich glaube, dass die Wächter das nur machen, um ihn zu quälen. Während wir gesprochen haben, hat er mich nur ganz kurz angesehen und danach jeden Blick in meine Richtung vermieden.“

„Nette Idee. Gefällt mir. Hätte von mir stammen können.“

„Nein, hätte sie nicht.“

„Nein, hätte sie nicht.“

„Willst du länger hier bleiben?“

„Eigentlich bin ich auf der Durchreise. Ich war am überlegen, ob ich mich wieder zum Pylonenlegen melde. Das ÖfAFödaBI sucht mal wieder motivierte junge Leute.“

„Also das Gegenteil von dem, was wir sind.“

„Das macht es ja so interessant. Und wir haben die Erfahrung. Die müssen uns einfach nehmen.“

Fidster zog eine Augenbraue hoch. „Du hast doch etwas vor?“

„Wie kommst du darauf?“

„Du warst noch nie besonders subtil. Soll ich raten, oder willst du es mir erzählen?“

„Rate. Du kommst sowieso nie darauf.“

„Du willst Zwackelmann befreien.“

Cleene sah ihn sprachlos an, während Fidster sie anlächelte. Schließlich fand sie ihre Sprache wieder.

„Wie bist du darauf gekommen?“

„Ich habe kurz darüber nachgedacht, was wir besprochen haben und was davon zu einer der schwachsinnigsten Idee passen würde, die einer Cleene gurr Cleene würdig wäre: Gefährlich, sinnlos und nahezu unausführbar. Da blieb eigentlich nur eins.“

„Hast du in den letzten Jahren viele Rätsel gelöst?“

„Kann man so sagen. Ich habe tatsächlich noch ein weiteres, sinnloses Studium drangehängt: Evaluationslehre. Das ist die Wissenschaft von der Auswertung fremder Vorhaben. Nichts mit Berufsaussichten, aber gut für den Umgang mit Kindern.“

„Ehrlich? Du hast zu viel Geld.“

„Was soll ich sagen. Nach der Sache mit Zwackelmann bin ich in der Erbfolge an die erste Stelle geschossen. Ich habe zwar das Glück gehabt, meiner Familie nicht mehr begegnen zu müssen, aber sie hat mich sehr reich gemacht.“

„Deswegen auch der Wohnsitz dort, wo die Sonne nicht scheint?“

„Ist nur die Sommerresidenz.“

„Sommer …? Ich frage besser nicht.“

Sie schwiegen einen Augenblick, während Fidster ihnen aus einer teuren Karaffe etwas einschenkte.

„Und was jetzt?“

„Was meinst du?“

„Machst du mit?“

„Bei dem hirnrissigen Plan?“

„Ja.“

„Ich habe Frau und Kinder. Und Verantwortung. Das glaubt mir doch keiner, dass ich mich auf eine solche Stelle bewerbe.“

„Das ist keine Antwort.“

Fidster grinste. „Du hast aber auch etwas gelernt. Früher hättest du dich damit abspeisen lassen.“

„Und du versuchst, mir keine Antwort zu geben. Also was ist jetzt? Ich habe bisher noch nichts gehört, was mich davon überzeugt, dass dein Leben nicht furchtbar langweilig ist.“

„Du bist immer noch so hartnäckig wie früher. Außerdem verdrehst du immer noch die Augen wie früher.“

„Also ja.“

„Was sollte ich sonst sagen?“

 

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|   Keine Bäume, Tiere oder Menschen wurden beim
|   Schreiben dieses Buches verletzt oder getötet.
|   Jeglicher Schaden, der etwaigen Tropen zugefügt wurde
|   kann ignoriert werden, da Klischees niemals sterben.
|   Um über den Unsinn, den das Buch der Tropen darstellt,
|   hinwegzukommen, wird eines der anderen Bücher von
|   Peter Singewald
|   empfohlen.
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|   Danke fürs Durchhalten.
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Verwendete Tropen

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