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14. Kapitel

Tierische Ungeheuer sollten nicht mit vegetarischen Vampiren gleichgesetzt werden und Magier der Kampfkünste helfen nicht gegen Paranoia, die durch freie Mahlzeiten hervorgerufen wurde.

 

Cleene und Fidster hatten noch eine Spätschicht eingelegt. Es war ihre Idee gewesen. Niemand hätte es ihnen verübelt, wenn sie sich nach diesem Tag einfach in ihre Hängematten gelegt hätten. Andererseits war auch niemand traurig darüber, das Einsatzfahrzeug ein paar Meilen weiter zur nächsten Pylone fahren zu können.

Gesprochen hatte allerdings niemand, weder als die beiden Außendienstler sich auf den Weg gemacht hatten, noch als sie zurückgekehrt waren. Die einzige Ausnahme war ein „Warum nur?“ von Fidster gewesen, als er einen Blick auf die Teetasse erhaschte, die Au noch nicht abgewaschen hatte. Aber das zählte nicht. Es war eher ein Hintergrundgeräusch, so wie das Brummen der Generatoren oder das Umfallen der Bäume im Wald, wen niemand anwesend war, es zu hören.

„Soll ich dir einen Tee machen, Fidster?“ In einem anderen Kontext wäre es eine unschuldige Frage zum Frühstück gewesen, aber selbst dann wäre der Tonfall unangemessen gewesen, von dem Grinsen ganz abgesehen. Die Frage wurde dementsprechend auch nur mit einem Grunzen gewürdigt.

Ursprünglich hatten sie den Klapptisch im Wagen aufgestellt und ein schweigsames Frühstück zu dritt begonnen. Sobald sich der Professor jedoch dazu gesellen wollte, hatten sie alles hinausgebracht und den Professor auf seinem Stuhl allein gelassen.

„Ich hatte mir ja schon alles Mögliche überlegt, ich meine, was dein Geheimnis sein könnte. Aber auf Teejunkie wäre ich nie gekommen. Was sagst du dazu, Au? Hättest du das gedacht?“

„Nein, Frau Cleene. Das ist wirklich eine so schreckliche Sache.“

„Quatsch. Es ist total lächerlich. Ich habe schon literweise Tee getrunken und bin nicht süchtig. Ich käme nicht einmal auf den Gedanken, das Zeug pur zu essen. Und hier sitzt unser kleiner Schnösel und frisst eine ganze Packung.“

„Familienkrankheit.“

„Was sagst du?“

„Familienkrankheit. Hab ich von meinem Vater geerbt. Könnte auch ein Fluch sein. Er wollte sich nicht darüber auslassen.“

„Ehrlich? Das wird ja immer spannender. Erzähl mir mehr.“

„Warum sollte ich?“

„Weil du hoffst, dass ich dann irgendwann mit dem Fragen aufhöre.“

„Du hörst doch nur mit den Fragen auf, wenn ich dir genug Material liefere, mit dem du mich anschließend unaufhörlich nerven kannst.“

„Och, Fidster, wie lange kennen wir uns jetzt, dass du so von mir denkst?“

„Lange genug.“

„Wie lange kennen sie sich denn?“ warf Au ein.

„Wir waren während der Ausbildung im selben Zug. Muss jetzt also gute vier Jahre her sein.“

„Fünf und ein halbes“, korrigierte Fidster. „Du vergisst immer das Jahr Praktikum, dass ich mit dir durchleiden musste.“

Für einen kurzen Moment verließ das Dauergrinsen, welches Cleene den ganzen Morgen zur Schau getragen hatte, ihr Gesicht. „Ach ja. Das tue ich tatsächlich. Mit gutem Grund.“ Aber sofort hellte sich ihre Miene wieder auf. „Aber das soll uns jetzt nicht ablenken. Komm schon Fidster. Ein Fluch! Das klingt spannend. Warum glaubst du, dass es ein Fluch ist?“

Hilfesuchend sah Fidster zu Au, konnte dort jedoch ebenfalls nur Neugier entdecken.

„Na gut, wenn ihr es unbedingt wissen müsst. Meine Schwester hat mir da mal was erzählt, was sie angeblich von meiner Mutter gehört hatte.“ Er holte tief Luft.

„Es war wohl so, dass mein Vater sein Studium und auch die Finanzierung seines Unternehmens nicht ganz so aus eigener Kraft bewerkstelligt hat, wie er alle immer gerne glauben lässt.“ Fidsters leidender Gesichtsausdruck verriet seinen Zuhörern, dass er eigentlich nur zu gerne über diesen Teil seiner Familiengeschichte herzog.

„Mir hat er zum Beispiel immer erzählt, wie schwer er gearbeitet hat. Schon damals hätte mir auffallen sollen, was für einen Unsinn er redete. Aber erst mit sieben Jahren ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass er nicht einmal die Anzahl der Stellen, die er angeblich gleichzeitig angenommen hatte, konstant hielt. Mal waren es zwei, mal vier. Einmal behauptete er sogar, sieben Arbeitsplätze gleichzeitig ausgefüllt zu haben, aber da war er betrunken weswegen es nicht ganz so auffiel. Und da er ja so viele verschiedene Stellen angenommen hatte, wusste er natürlich alles besser. Schließlich war er Schlosser gewesen, Bergarbeiter, Schreiber, Schreiner, Schneider, Dosenöffner, Zauberlehrling, Büttel, Gold- und Totengräber, Maurer und was weiß ich noch alles.“

„Dosenöffner?“ kicherte Cleene.

„Ein Gehilfe des Marktwarts. Ja, Au? Ich glaube, der Professor hatte schon mal etwas zum Melden gesagt.“

„Entschuldigung, Herr Fidster. Aber bei Goldgräbern und Totengräbern handelt es sich um zwei Berufe, nicht wahr?“

Fidster schüttelte den Kopf. „Nicht in meiner Heimat. Auf jeden Fall stellte ich später fest, dass der einzige Beruf, den er vermutlich tatsächlich während seiner Studienzeit ausgeübt hatte, Lude war. Aber damit hat er, soweit ich es herausfinden konnte, nicht so viel verdient, wie er für seinen Lebensstil benötigte. Und nun kommt meine Preisfrage: Was tut ein leidlich gut aussehender Mann, wenn er Geld benötigt?“

„Einbrechen, Leute ausrauben, Erpressen, Leichenfleddern und Steuern hinterziehen?“

„Nein, Cleene, auch wenn ich es nicht für ausgeschlossen halte, dass mein Vater auch darüber nachgedacht hat. Aber vermutlich war es ihm zu viel Arbeit oder er fürchtete, dass er damit nicht vor seinen Freunden hätte angeben können. Hast du auch eine Vermutung, Au?“

„Sie haben gesagt, dass es sich bei ihrer Sucht um einen Fluch handeln könnte. Das würde voraussetzen, dass jemand diesen Fluch auf ihn gelegt hätte …“

„Oder dass er in irgendein Grab eingebrochen ist, wo ihn eine Mumie verflucht hat.“

„Sie haben Recht, Frau Cleene. Daran hatte ich nicht gedacht. Nein, Herr Fidster, dann weiß ich es nicht.“

„Ich glaube, du warst auf der richtigen Spur. Er hat sich eine Frau gesucht, die ihn ausgehalten hat.“

„Ist er so unausstehlich?“

„Was?“

„Ich mein nur, weil er sich eine Frau suchen musste, die ihn aushielt.“

„Ich kann dir nicht folgen, Cleene.“

„Also: Du bist ein unausstehlicher Besserwisser, Schönschwätzer und Schwachstruller. Deswegen kann ich es kaum aushalten, mit dir zusammen zu arbeiten. Was war es bei deinem Vater?“

Fidster zog beide Augenbrauen hoch, weil er gar nicht wusste, was er zuerst sagen sollte. „Cleene, ich weiß gar nicht, was ich zuerst sagen soll. Du bist ziemlich nahe daran, richtige Beleidigungen auszustoßen, was ich etwas beängstigend finde, zumal du keinen Bolzen in der Stirn hast. Und nein, das war nicht das, was ich meinte. Wenn ein Mann eine Frau oder eine Frau einen Mann aushält, dann bekommt die Frau oder der Mann Geld und Geschenke von dem Mann oder der Frau, meist als Gegenleistung dafür, dass die Frau oder der Mann so tun, als wenn sie in den Mann oder die Frau verliebt wären. Oder natürlich für Sex.“

„Oder eine Frau eine Frau, Herr Fidster.“

„Was? Oh, ja, bei Haartanern gibt es ja keine Männer.“

„Das meine ich nicht mal. Es könnte natürlich auch ein Mann einen Mann aushalten. Dann würde der Mann Geld oder Geschenke von dem Mann erhalten, als Gegenleistung für Liebe oder sexuelle Dienste, Herr Fidster.“

„Stimmt natürlich. Das sollte man nicht vergessen.“

„Könntet ihr das noch mal wiederholen, so dass man es verstehen kann?“

Au und Fidster blickten sich an als wenn sie der Meinung wären, es mit einem Kleinkind zu tun zu haben, was ihre tatsächlichen Gefühle in dieser Situation adäquat wiedergab.

„Ganz einfach: Wenn jemand dich aushält, gibt er dir Geld oder Geschenke dafür, dass du nett zu ihm bist oder Sex mit ihm hast.“

„Also war dein Vater eine Hure.“

„Nein!“ Fidster wusste selbst nicht, warum ihn das Wort so entsetzte. „Prostituierte haben mehrere Freier. Mein Vater nahm nur eine Frau aus.“

„Macht es das besser?“ So schnell wie Cleenes Frage kam, so lange musste Fidster überlegen, bis er zu einer Antwort fähig war.

„Ich kann es tatsächlich nicht sagen. Vermutlich nicht.“

„Dabei fällt mir gerade was ein. Ich habe mal von einem Orden von Kampfmagiern gehört, die in einem geheimen Kloster in irgendeinem unzugänglichen Gebirge leben sollen. Jeder von ihnen hat angeblich eine Sponsorin, die für seine Klamotten und sein Essen sorgt. Das wäre besser, oder?“

„Sowas gibt es?“

„Wenn ich es sage?“

„Aber wenn das Kloster geheim ist und das Gebirge unzugänglich, wie bringen die Sponsorinnen die Sachen zu ihnen?“

„Das weiß ich nicht. Bestimmt gibt es einen geheimen Weg oder sowas.“

„So ein Unsinn.“

„Nein, ich habe sogar mal einen gesehen. Er hat in einem Dorf alle Krieger besiegt. Es war wirklich beeindruckend. Er kämpfte ein Bisschen wie die von der Seidenbrigade, so mit Sprüngen, Tritten und wilden Bewegungen. Ich habe ihn gefragt, ob ich das auch lernen könnte, und da hat er mir erzählt, dass es eben nur diesen Mönchen beigebracht würde.“

„Ein Kampfmagier, der in Wettkämpfen auftritt? Klingt nicht wirklich überzeugend. Warum sollte er das tun? Und außerdem hat das nichts mit meinem Vater zu tun. Er ist weder ein Kämpfer noch ein Magier.“ Die beiden sahen sich grimmig an, bis Cleene den Blick abwendete und die Schultern hochzog.

„Ich sag’s so, wie ich es gesehen und gehört habe.“

„Na gut. Ist auch egal. Auf jeden Fall hat mein Vater wohl eine Frau ausgenutzt und es lief am Ende wohl nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Wie Au wohl schon vermutet hat, muss es sich bei der Frau um eine Hexe gehandelt haben. Ich weiß es natürlich nicht, aber meine Schwester geht davon aus. Ich bin nicht sicher, ob mein Vater es anfänglich wusste, aber am Ende hat er es wohl herausgefunden.“

„Sie hat ihn verflucht, weil er sie verlassen hat?“ fragte Au.

„Wenn es nur so einfach gewesen wäre. Dann hätte er den Fluch beheben lassen können. Immer vorausgesetzt, dass es sich tatsächlich um einen Fluch handelt. Aber mein Vater scheint noch etwas Dümmeres getan zu haben.“

„Dümmer, als eine Hexe zu verärgern? Ist das Teil eurer Familienkrankheit.“

„Bist du sicher, dass du nicht irgendeinen unsichtbaren Bolzen abbekommen hast?“ Fidster beugte sich zu Cleene herüber und streckte seine Hände aus, als wolle er ihren Kopf abtasten. Die junge Frau wehrte seinen Griff mit ein paar kindlichen Schlägen ab. Fidster lehnte sich wieder zurück und setzte seine Erzählung fort.

„Wenn die Geschichte wahr ist, die in meiner Familie kursiert, dann hat er tatsächlich versucht, die Hexe umzubringen, womit er aber kläglich scheiterte.“

„Na, da bin ich aber gespannt.“

„Dann lass mich einfach weitererzählen, ohne mich ständig zu unterbrechen.“

„Hab dich nicht so. Es ist ja nicht so, als wenn du ein Barde wärst, dessen Worte einen in den Bann schlagen.“

„Ich kann auch aufhören. Ich muss das nicht erzählen. Ihr wolltet die Geschichte schließlich hören.“

„Nein, nein, jetzt hast du angefangen, jetzt musst du auch alles erzählen.“

Fidster atmete theatralisch aus. Es hätte nur noch gefehlt, dass er seine Hand vor die Stirn gelegt hätte, um die Schlechtigkeit der Welt besser ertragen zu können.

„Was ich jetzt erzähle kann ich nicht beweisen und fast alle Berichte dazu wurden vernichtet. So wie es aussieht hatte die Hexe ihren eigenen Zoo, wo sie die seltsamsten Fabelwesen hielt. Zum Teil hatte sie anscheinend einige selbst gezüchtet. Es heißt, sie hätte einen Uhupanda dort gehabt, und einen Landdelphin, widerliche, grinsende Viecher. Aber das schrecklichste Wesen soll ein gigantischer, untoter Feuerelementarmauskraken gewesen sein. Allen Gerüchten zu folge soll dieses Wesen seinen Erschaffer besonders gehasst haben. Und diesen befreite mein Vater.“

„Ein Mauskraken? Wie soll das denn gehen? Mäuse können nicht unter Wasser leben.“

„Ein Feuerlementarmauskraken, Frau Cleene. Die leben nicht im Waser. Ich wusste nur nicht, dass Elementare untot sein können.“

Fidster hätte in diesem Moment gerne die Augen verdreht, aber das hätte sich zu sehr angefühlt, als würde er Cleene nachahmen.

„Ist doch auch egal. Mein Studium hat mir gezeigt, dass mit genügend Magie fast alles möglich ist. Ich habe ihn nie gesehen. Ich gebe hier nur wider, was mir erzählt wurde.“

„Für mich klingt das wie ein vegetarischer Vampir, Herr Fidster.“

„Ein gigantischer, untoter Feuerelementarmauskraken klingt wie ein Vampir?“

„Nein, wie ein vegetarischer Vampir. Er ist so unwahrscheinlich, unlogisch und, ich sage es nur ungerne, zu phantastisch, dass man es nicht in einem ernsthaften Bericht erwartet.“

„Finde ich nicht. Ich habe mal einen vegetarischen Vampir getroffen“, mischte sich jetzt auch Cleene wieder ein.

„Hast du?“

„Ja, er war sehr unglücklich und hat das Ganze auch nur sechs Tage durchgehalten. Dann wurde er von einem Mob gepfählt.“

„Konnte ja auch nicht gut gehen. Irgendwann braucht jeder Vampir Blut.“

„Nö, das war’s nicht. Er hielt sich gut. Bis auf das Jammern und Zähneknirschen. Irgendwann hatten die Nachbarn das Stöhnen satt und sind über ihn hergefallen.“ Sie versank in Gedanken. „Solange er Blut trank mochten sie ihn eigentlich ganz gerne“, fügte sie schließlich hinzu. „Er war so schick und höflich. Die meisten jungen Männer haben ihm bereitwillig den Hals hingehalten.“

„‘Jungen Männer‘?“ Cleene nickte und die anderen schwiegen, bis Au Fidster auffordernd anblickte.

„Was? Ach ja. Die Geschichte von meinem Vater. Wie waren wir noch mal auf vegetarische Vampire gekommen? Richtig, der gigantische, untote Feuerelementarmauskraken. Den hat mein Vater freigelassen. Leider hat das Viech nicht die Hexe angegriffen, sondern die Stadt verwüstet. Das war natürlich nicht ganz das, was er geplant hatte und es war ein Wunder, dass bei den Untersuchungen kein Verdacht auf ihn fiel. Stattdessen hat man die Hexe verurteilt, weil sie ein Monster dieser Größenordnung nicht ausreichend gesichert hatte.“

„Ziemlich unfair.“

„Man könnte argumentieren, dass jeder Käfig, der ein städtezerstörendes Monster enthält, auch ausreichend gegen einen geldgierigen Geschäftsmann gesichert sein sollte. In dieser Beziehung war eine Strafe schon gerechtfertigt. Mein Vater glaubte vermutlich, er sei ziemlich gut aus der Sache herausgekommen. Aber da hatte er die Rechnung ohne die Hexe gemacht. Und so kam der Fluch in unsere Familie, wenn man meiner Schwester glauben darf. Und das ist natürlich auch der Grund, warum der Fluch nicht gelöst wird, denn dann müsste mein Vater eingestehen, dass er damals für die Zerstörungen verantwortlich war.“

„Wenn ich ehrlich sein darf, Herr Fidster, dann hört sich die Geschichte sehr unwahrscheinlich an.“

„Warum?“

„Überlegen sie doch einmal. Die Hexe wird für etwas bestraft, dass sie nicht getan hat, und der einzige Fluch, der ihr einfällt, ist der, dass ihr Vater süchtig nach Tee wird? Welche Hexe, die etwas auf sich hält beschränkt sich denn auf so etwas? Da wären ja sogar Warzen besser gewesen. Oder Kinderlosigkeit. Der Tod wäre vielleicht recht einfallslos und als Strafe unbefriedigend, aber immer noch besser als Teesucht.“

„Oh, Warzen hat mein Vater zur Genüge. Er kann auch nur noch im Stehen sein Geschäft verrichten. Jedes Buch, welches er anfasst, geht in Flammen auf. Kinder kann er, soweit ich weiß, auch keine mehr zeugen, aber das könnte natürlich auch am Alter liegen. Oder daran, dass keine Frau mehr mit ihm ins Bett gehen will. Zu jedem Jahrestag kommt etwas Neues hinzu. Wenn mein Vater sich nicht gerade um seine Geschäfte kümmert, die erstaunlicherweise bisher noch nicht unter dem Fluch gelitten haben, schimpft er entweder über die neusten Auswirkungen oder fürchtet sich vor dem, was der nächste Jahrestag bringen wird.“

„Und der Fluch betrifft auch sie? Das ist ja schrecklich! Müssen sie auch jedes Jahr aufs Neue fürchten?“

„Nein, bisher scheint nur die Geschichte mit dem Tee auf mich übergegangen zu sein. Aber wer weiß, was geschieht, wenn mein Vater eines Tages stirbt. Vielleicht erwischt es mich als zweitgeborenen Sohn dann umso schlimmer.“

„Als zweitgeborenen? Warum sollte das eine Rolle spielen?“

In diesem Moment konnte Fidster nicht mehr an sich halten. Er senkte den Kopf und hielt beide Hände vors Gesicht. Au legte ihm eine Hand auf die Schulter und wollte ihn bereits umarmen, als sie fühlte, wie sein Körper geschüttelt wurde. Doch dann brach er in schallendes Gelächter aus.

Cleene und die Haartanerin sahen ihn erschrocken an. Als Au etwas zu ihm sagen wollte, hob er die Hand, als wollte er ihr zuvorkommen, schüttelte aber den Kopf und lachte weiter, bis ihm die Tränen nur so ihn Strömen das Gesicht hinunter liefen und sich zwischen das Gelächter schluchzende Laute mischten.

Es dauerte eine ganze Weile, bis er sich endlich die Tränen aus dem Gesicht wischte und zu einer Erklärung ansetzen konnte.

„Eben habe ich noch kurz überlegt, ob ich vielleicht noch sagen sollte, dass mich der Fluch immer mit einem Lachkrampf bestraft, wenn ich von ihm erzähle, aber dann …“ Er lachte noch ein wenig mehr. „Ach, das war gut.“

„Du hast uns einen Bären aufgebunden?“

„Einen?“ Für einen Moment konnte er sich zu einem Kichern zwingen. „Ich habe euch eine ganze Familie aufgebunden. Einen gargantuanen Höhlenbären. Besser noch, einen gigantischen, untoten Feuerelementarmauskraken.“ Wieder brüllte das Lachen aus ihm heraus.

„Du bist echt so ein Hahnepampel.“ Sobald Cleene ihn auf ihre sanfte Art beschimpfte, verdoppelte Fidster noch einmal sein Gelächter.

Erst als sein Blick auf Aus rötlich eingefärbtes Haar fiel, kamen ihm Zweifel an der Weisheit seines Verhaltens. Seine Zweifel wurden bestätigt, als ihn ihre Faust auf die Nase traf. Ihre Haare wurden sofort wieder blau und sie schlug die Hände vor den Mund.

„Es tut mir so leid, Herr Fidster. Ich hatte mir so sehr vorgenommen, mir nicht mehr alles gefallen zu lassen. Aber eigentlich galt das für den Herrn Professor. Entschuldigen sie bitte. Es tut mir so leid.“

Fidster, den der Schlag ins Taumeln gebracht hatte, bis er sehr unsanft auf seinem Hintern gelandet war, nickte nur.

„Das war großartig, Au. Ich kann zwar deine rote Seite immer noch nicht so richtig glauben, aber: Respekt!“

„Das sollten sie nicht sagen, Frau Cleene. Ich sollte nicht so gewalttätig sein.“

„Steht dir aber. Ich meine das Rot.“

„Finden sie?“

„Würde ich lügen?“

„Willst du wirklich damit anfangen?“ sagte Fidster, während er sich wieder aufrichtete.

„Womit?“

„Mit diesem Fragenspiel, bei dem wir dir die Wahrheit sagen, die du eigentlich nicht hören möchtest? Du weißt genau, dass Au dir wahrheitsgemäß antworten würde.“

„Ich weiß nicht was du meinst“, antwortete sie grinsend.

„Und ich weiß nicht, was ihr euch so anstellt. Ihr habt mich bedrängt, euch die Geschichte zu erzählen.“

„Weil du etwas von einem Fluch gesagt hast.“

„Das war doch klar, dass das kein Fluch ist. Außerdem rede ich nicht gerne darüber. Niemand redet gerne über sowas. Das hätte euch klar sein müssen. Ihr habt es geradezu herausgefordert, dass ich mich für eure Neugier räche.“

„Das ist deine Ausrede? Vielleicht sollte ich dir auch noch einen auf die Nase geben.“

„Ich wäre dir dankbar, wenn du davon Abstand nehmen könntest. Ich würde das Thema gerne hinter mir lassen. Ich verspreche auch, keine Unordnung mehr zu verursachen. Der Tee ist alle und wir schaffen einfach keinen mehr an, dann besteht auch keine Gefahr für einen Rückfall.“

„Weichei.“

„Aber was ist, wenn die Reinemachefrau noch einmal kommt? Die will bestimmt wieder Tee haben.“

„Ich glaube nicht, dass der Professor noch jemanden umbringen wird.“

Plötzlich war eine dramatische Folge dreier Töne zu hören: „Dum, dum, duuuuuum!“

Erschrocken blickten sich die drei um und entdeckten den Professor, der mit einem entschuldigenden Blick eines seiner Geräte aus dem Wagen hielt. Es qualmte.

„Ich wusste nicht, dass die Fehlermeldung des Noidus-Strahlen-Astrometers nur so kurz vor seinem Exitus erklingt. Ich hätte erwartet, dass ich wenigstens noch Zeit hätte, ihn abzuschalten. Warum seht ihm mich so seltsam an?“

 

Verwendete Tropen:

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Abgelehnte Tropen:

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