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12. Kapitel

Härter, besser, schneller, stärker, während Gossenhumor und Recherchen im Magie-Weiten-Maschenwerk nicht dazu führen, dass die Schwerter weggesteckt werden.

 

Es hatte eine lange Diskussion vor dem Wagen gegeben. Der Professor hatte jedoch alle Fragen abgewehrt und darauf bestanden, dass sie erst in der relativen Sicherheit der Abschirmung ihres Gefährts über alles sprechen konnten. Au verwehrte ihnen jedoch den Zutritt in einem seltenen Anfall von Autorität, da sie an die Sauerei dachte, deren Reinigung selbstverständlich an ihr hängen bleiben würde. Daher bestand sie darauf, dass sich alle erst einmal wuschen.

Eine halbe Stunde und den gesamten Wasservorrat später saßen sie zwischen den ganzen Gerätschaften auf dem Boden. Sie hatten sich in ihre Decken eingewickelt, weil das Wasser nicht mehr für ihre alte Kleidung gereicht hatte und sich keiner von ihnen bereits sauber genug fühlt, um die Ersatzkleidung anzuziehen.

Der Professor wich ihren Blicken aus und erhob sich schließlich. Dabei ließ er seine Decke zu Boden gleiten, was nicht nötig gewesen wäre, ihm aber offensichtlich Freude bereitete, denn er reckte sich grinsend, bevor er wieder ernst wurde, als die Blicke der anderen ihn erneut durchbohrten – oder zumindest die Blicke von Cleene und Fidster, denn Au sah sich gezwungen, in eine andere Richtung zu sehen, solange sich ihr Vorgesetzter in seiner allzu blassen Nacktheit rekelte.

„Raus mit der Sprache, Professor. Ich hatte einen sehr doofen Morgen“, begann Cleene wieder zu drängeln. „Und behaupten sie jetzt nicht, dass sie zu nackt seien, um uns die Wahrheit zu sagen.“

„Ist ja gut, Cleene. Ich erzähle ja alles. Aber zuerst möchte ich, dass ihr begreift, dass jeder So seine Hobbies hat, von denen nicht jeder zu wissen braucht.“

„Was soll das denn jetzt wieder heißen?“

„Nun ja. Da wäre zum Beispiel Au, die nicht nur gespenstische, selbstgemalte Karten legt, sondern auch Bildergeschichten kritzelt, bei denen sie sich selbst als Heldin darstellt. Interessant dabei ist, wie oft diese Heldin die Uniform der Seidenbrigade trägt.“

Aus Reaktion war schwer zu lesen, denn zum einen deutete die Farbe ihres Gesichts eindeutig auf die peinlichen Gefühle, die ihren Blutkreislauf lenkten. Zum andere deutete die Farbe ihres Haares auf den Beginn eines ordentlichen Wutanfalls (dunkles Lila, welches immer mehr seines Blauanteils verlor).

„Von Cleenes Vorliebe für eigenwillige Sexualpraktiken haben wir ja bereits gehört, was andere vielleicht beschämt hätte, sie jedoch nicht. Auch ihre Freude an Gewalttaten bereitet ihr kein Unbehagen. Nein, Cleenes geheimes Hobbie ist etwas ganz anderes.“

„Sagen sie kein Wort! Ich warne sie! Ich weiß zwar nicht, wie sie auch nur davon wissen können, aber wenn sie es laut aussprechen, breche ich ihnen jeden Knochen im Leib. Und mit dem fang ich an.“ Sie deutete auf die Gliedmaße, die sich in Kälte für gewöhnlich eher zusammenzog. Der Professor schluckte, was man nur an der Bewegung seines Kropfs erkennen konnte, und hielt die Hände vor sein Gemächt.

„Es ist zwar eine irrige Annahme, dass sich dort ein Knochen befindet, aber die Botschaft ist angekommen. Soll ich noch etwas zu dir sagen, Fidster?“

Der angesprochene schüttelte den Kopf.

„Gut, nachdem wir dies geklärt haben, werdet ihr sicher verstehen, dass auch ich Geheimnisse habe, die ich lieber geheim gehalten hätte.“

„Sie meinen, dass sie ein Doppelagent sind? Ich frage mich, inwieweit man das mit einem unserer Hobbies vergleichen kann, die uns vielleicht peinlich sind, aber immerhin keinen Verrat darstellen? Das klingt, als würden sie behaupten, ihr riesen Haufen Scheiße, den sie da draußen angerichtet haben, wäre nur ein kleiner Ausrutscher in einer Rotzespur gewesen.“

„Jetzt übertreibst du aber Fidster. Mir ist bewusst, dass wir in ziemlichen Schwierigkeiten stecken. Aber ich hatte keine andere Wahl.“

„Wir stecken in Schwierigkeiten? Sie sind der vermaledeite Doppelagent, der eine Tusnelda der ‚Wir-sind-zu-leicht-bekleidet‘-Brigade zerquetscht hat. Nicht dass sie es nicht verdient hatte, aber wo die herkam sind noch mehr.“

„Das hast du hübsch auf den Punkt gebracht, Cleene, aber ich möchte dich darauf hinweisen, dass ihr mich inzwischen hättet gefangen nehmen müssen und es nicht getan habt. Daher wird man euch ebenso des Verrats bezichtigen, wie mich.“

„Danke auch, dass sie uns das eingebrockt haben.“

„Wie immer stimme ich Cleene nur ungerne zu, aber finden sie nicht, dass sie uns dann wenigstens endlich sagen könnten, was überhaupt vorgeht, bevor die Scheiße den Ventilator trifft?“

„Das versuche ich ja bereits die ganze Zeit und ich fürchte, die Scheiße hat bereits den Ventilator getroffen, auch wenn ich diesen Ausdruck etwas befremdlich finde. Aber wo soll ich anfangen? … Ach ja. Wie Mir Nicht bereits festgestellt hat, bevor sie, man kann nicht gerade sagen ins Gras gebissen sondern viel mehr sich darüber verteilt hat …“

„Herr Professor!“

„… Entschuldige Au: Bevor sie der Ewigkeit in sehr kleinen Stücken entgegen gegangen ist …“

„Ähäm!“

„Mhm. Den Weg des Fleischwolfs genommen hat?“ Au schüttelte nur noch den Kopf.

„Ach, ihr wisst schon, was ich meine. Sie hat also gesagt, dass ich für das ÖfAFödaBI arbeite. Mit der anderen Seite hatte sie allerdings nicht ganz Recht. Ich habe lange vermutet, dass ich tatsächlich für Zwackelmann arbeiten würde. Inzwischen bin ich jedoch sicher, dass jemand anderes all die Verbrechen begangen hat.“

„Setzen wir mal voraus, dass sie die Wahrheit sagen, wer sollte das sein?“

„Ich sage die Wahrheit. Warum sollte ich lügen?“

„Weil sie es vermaledeit noch mal die ganze Zeit getan haben?“

„Zugegeben. Aber warum sollte ich jetzt noch lügen?“

„Weil sie uns nicht die ganze Wahrheit erzählen wollen?“

„Ja, das Risiko müsst ihr eingehen. Aber warum sollte ich euch jetzt nicht erzählen, was wichtig für euch ist?“

„Weil sie …“

„Ist gut! Kann ich jetzt endlich weitererzählen? Gut. Also, wo war ich? Ach ja. Habt ihr gar keine Idee, wer es sein könnte, der für die ganzen Verbrechen verantwortlich ist, die man Zwackelmann zuschreibt?“

„Warum sollten wir? Ich sehe da keine Anhaltspunkte.“

„Du hast die ganze Geschichte ja auch verpasst. Aber Cleene und Au sollten eine Ahnung haben.“

Au hob die Hand.

„Au. Ehrlich. Du brauchst dich doch nicht zu melden.“

„Entschuldigen sie, Herr Professor. Spielen sie etwa auf die Assistentin an?“

„Sehr gut, Au. Ich bin sehr stolz auf dich.“

„Das ist doch Unsinn! Niemand weiß, wer die Assistentin war. Es ist nicht einmal sicher, ob es sie gab.“

„Es gab sie, Cleene. Und ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit ihr. Sie nennt sich heute das Grinsen, wobei sie sich von ihren Lakaien auch gerne das Große Grinsen nennen lässt.

„Ich habe eine ganz üble Ahnung.“

„Wenn es das ist, was ich vermute, dann hast du Recht.“

„Wenn sie vermuten, dass ich an die Tusnelda denke, dir mir einen Bolzen in den Kopf geschossen hat, dann vermuten sie richtig.“

„Moment mal! Sie wussten die ganze Zeit, wer sie war, und haben nichts gesagt?“

„Denk nach, Fidster. Was hätte ich euch sagen sollen, ohne mich zu verraten?“

„Aaargh! Was für eine ausgemachte Scheiße! Aber wenigstens wissen wir jetzt, warum sie so aufgebracht waren, als wir die Höhle zerstört haben.“

„Der arme Herr Gakunen.“

„Und ich kann euch sagen, dass ich dafür ziemlichen Ärger bekommen habe. Aber eben nicht vom ÖfAFödaBI. Das habe ich aber erst später erfahren. Nachdem sie hier war und sich gerächt hat.“

„Herzlichen Dank auch. Haben sie wenigstens den Mund gehalten, dass ich überlebt habe.“

Der Professor schwieg, aber an seinen unruhigen Bewegungen konnte man deutlich erkennen, was er geantwortet hätte. Nicht dass jemand besonders auf seinen nackten Körper geachtet hätte.

„Na super! Sie sind ein toller Doppelagent.“

„Man könnte meinen, dass sie gar kein Doppelagent sind, sondern eigentlich ein Maulwurf, der die ÖfAFödaBI unterwandert hat. Zumal sie ohne mit der Wimper zu zucken eine Agentin umgebracht haben.“

„Bitte Fidster, bleib sachlich. Ich bin natürlich ein Doppelagent, denn ich gebe Informationen in beide Richtungen weiter.“

„Aber welche Informationen? Wer kriegt die Wahrheit zu hören und wem tischen sie einen Haufen Lügen auf? Für wen arbeiten sie wirklich?“

„Ich erzähle beiden Seiten nur die Wahrheit. Andernfalls wäre ich schneller Tod als Au die Reisetoilette reinigen könnte. Nur filtere ich die Informationen natürlich. Und natürlich gehen beide Seiten davon aus, das ich ihr Maulwurf bin.“

„Das beschreibt wohl einen Doppelagenten ziemlich genau, beantwortet aber nicht die Frage, für wen sie wirklich arbeiten?“

„Ich bin ein Doppelagent, warum ist das so wichtig?“

Die drei auf der Erde sitzenden sahen den Mann ungläubig an, den sie bis vor kurzem als ihren Chef betrachtet hatten. Schließlich war es Au, die ihre Starre als erstes überwand und mit einer etwas lauteren Stimme, die ihrem fast schon roten Haar entsprach, fragte:

„Weil wir danach entscheiden, ob wir sie gefangen setzen oder weiter mit ihnen zusammen arbeiten.“

„Ah, ein guter Grund. Aber wer sagt denn, dass ich euch in diesem Zusammenhang die Wahrheit sage? Ich meine, ich wäre ja schön dumm, wenn ich behaupten würde, für das Grinsen zu arbeiten, nicht wahr?“

„Da hat er jetzt einen Punkt.“ Cleene erhob sich, hielt aber weiter ihre Decke um den Körper gehüllt. Sie schlenderte scheinbar ziellos durch den kleinen Raum, bis sie wie zufällig am Professor vorbei kam, sich entblößte und ihr Schwert in einer fließenden Bewegung zur Kehle des Professors führte.

Der hagere Mann hatte zwar mit Gewalttätigkeiten gerechnet, weswegen er auf alle möglichen Angriffe vorbereitet war. Der nackte Körper entwaffnete ihn jedoch vollkommen.

„Oh Cleene. Ich hätte nie gedacht, dass wir beide uns jemals so nah kommen würden“, brachte er immerhin mit einem schwächlichen Lächeln hervor, was jedoch nur dazu führte, dass die Klinge an seinem Hals die Haut ritzte.

„Ich wusste schon immer, dass man gar nicht genügend Wasser finden könnte, um sie gebührend das Klo hinunterzuspülen.“

Fidster nickte beifällig. Dies war vermutlich die beste Beleidigung, die Cleene jemals ohne einen Bolzen in der Stirn hervorgebracht hatte. Trotzdem machte ihn die Fixierung aller auf Wortspiele mit einem Fäkalcharakter langsam sorgen. Es wirkte irgendwie gezwungen. Er erhob sich, bevor seine Mitpylonistin jegliche weitere Befragung unmöglich machen würde. Auch er ließ seine Decke fallen und stellte fest, dass es gar nicht mal so kalt war.

„So wie ich die Situation gerade einschätze, Herr Professor, haben sie die Wahl zwischen einem sehr schnellen Tod durch die Hand meiner Kollegin, wenn sie uns gar nicht antworten, einem Ritt mit den Gnomen, sollten wir entscheiden, dass uns ihre Antwort nicht gefällt, und der Möglichkeit, uns in ihre Pläne einzuweihen.“

„Das ist doch Qua … Gut, gut, ich sag‘s ja schon. Ich arbeite für mich und nur für mich allein.“

Mit einem Grinsen machte Cleene einen Schritt vom Professor fort. „Das klingt nach unserem Professor.“

„Bleibt die Frage, was sie tatsächlich erreichen wollen, wenn sie weder für die eine noch für die andere Seite arbeiten.“

„Ich will herausfinden, wer das Grinsen wirklich ist und was sie vorhat.“

„Und wie wollen sie das tun?“

Der Professor hob einen Finger wie als wollte er sagen: „Einen Moment, ich werde mich jetzt vorsichtig bewegen und wäre sehr dankbar, wenn mich niemand solange mit einem Schwert oder irgendeiner anderen Waffe angreifen würde. Außerdem werde ich versuchen, mich so unbedrohlich wie möglich zu bewegen, auch wenn einiges, was gleich geschehen wird, vielleicht beunruhigend oder wenigstens erstaunlich sein könnte. Darüber hinaus genieße ich gerade den Anblick so vieler nackter Leiber und hoffe, dass auch Au endlich die Decke fallen lässt.“ Der Zeigefinger des Professors war sehr Ausdrucksstark und die junge Haartanerin errötet gebührend, nachdem sie einen schnellen Blick gewagt hatte.

Cleene ließ ihn gewähren, während er um den Arkanographischen Thaum-Reflektor ging, den Leistungskasten aufklappte und die Schiefertafel wie auch die Tastatur eines MWM-Terminals herauszog.

„Erstaunlich“, stieß Cleene hervor.

„Beunruhigend, dass wir das nie gesehen haben“, kommentierte Fidster und wandte sich an Au: „Oder wusstest du, dass wir mit dem MWM verbunden sind?“

„Nein, Herr Fidster. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich …“

„Was hättest du?“

„Ach nichts, Herr Fidster.“ Es war in diesem Moment nicht ganz klar, ob Au erneut errötete, oder das Blut noch nicht wieder aus ihrem Gesicht verschwunden war.

„Welche H-Pop-Gruppe ist derzeit auf Platz 1?“ fragte Cleene, während sie dem Professor bei seiner Arbeit zusah.

„Baby Nekromancers“, platzte Au schneller heraus, als sie jemals zuvor eine Antwort von ihr erhalten hatten. Cleene drehte sich langsam zu Fidster um und grinste ihn an. Dieser nickte nur.

Mehr Gelegenheit Au zu ärgern erhielten sie nicht, weil der Professor sie zu sich heranwinkte. Da der Raum hinter dem Terminal recht begrenzt war, nahm Fidster seine Decke wieder auf und schlang sie um sich. Au blieb eingehüllt und Cleene ärgerte sich bald darauf, dass sie dem Körper des Professors viel zu nahe kam, ohne eine schützende Schicht oder eine Waffe zwischen sich und ihm zu wissen.

Auf der Schiefertafel des Terminals erschien gerade das Bild eines Besens, der seine Runden um ein verschnörkeltes E zog, das Logo des beliebtesten MWM-Ritualmakros, des Maschenwerk-Entdeckers.

Der Professor zog aus einer kleinen Schublade unterhalb seiner Tastatur eine Indexkarte seines privaten Schlagwortkatalogs hervor und hielt sie über die integrierte Kristallkugel. Nach etwas warten ging eine lange Liste mit Überverknüpfungen auf. Der Professor zog den integrierten Zaubergriffel aus einem Schlitz in der Tastatur und machte einen Haken hinter eine der Verknüpfungen.

„Ich sammle jetzt schon seit Jahren alles, was auf das Grinsen hinweisen könnte. Zuerst wollte ich nur die Beweise sammeln, um sie dingfest machen zu können. Dann hat sie mich jedoch bei meinen Recherchen entdeckt und ich war gezwungen, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie dachte, sie könnte mich gefügig machen, indem sie mich erpresste. Stattdessen hat sie mir die Möglichkeit eröffnet, noch mehr über sie herauszufinden.“

Ein Klick nach dem anderen zeigte er ihnen Bilder und Texte, die anscheinend irgendeine Bedeutung für seine Recherchen besaßen. Allerdings ging er dabei so schnell vor, dass keiner der anderen auch nur erahnen konnte, was dort geschrieben stand.

„Die ganze Zeit bin ich immer tiefer vorgedrungen, bis hinunter ins Dunkle Maschenwerk, wo ich die ersten Hinweise gefunden habe. Und was ich dabei herausgefunden habe, wird einen von euch bis ins Mark erschüttern.“ Es sollte eine dramatische Pause werden, die jedoch viel zu früh von Cleene unterbrochen wurde.

„Das Grinsen steht in irgendeiner Beziehung zu mir.“

„Äh, wie kommst du darauf?“

„Ist nicht besonders schwer gewesen. Ich mach die Tür auf und sie schießt auf mich. Auf niemand anderen. Warum? Wenn sie nicht gerade auf den Erstbesten geschossen hat, dann musste sie genau mich meinen. Und da muss sie mich wirklich nicht mögen, wenn sie einfach versucht, mich umzubringen.“

„Gut, ja, das ist eine gute Überlegung. Aber …“

„Sie wussten es schon früher. Bringt mir auch nichts. Was mich jetzt aber interessieren würde, wäre, woher ich sie kenne, beziehungsweise sie mich.“

„Das kann ich dir leider nicht sagen. Ich habe nur ein paar Bilder mit euch beiden gefunden und das war schon schwierig, euch da zuzuordnen. Sie hatte damals noch nicht die Narben am Mund.“

„Bilder? Von mir und ihr?“

„Jugendbilder.“

„Verdammt, daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Waren auch nur zwei Bilder, die vermutlich am gleichen Tag gezeichnet wurden.“

„Nein, ich meine, an meine Jugend kann ich mich nicht erinnern.“

„Oh.“

„Aber das erklärt, warum ich mich auch nicht an sie erinnern kann. Kann ich die Bilder sehen?“

„Später. Jetzt muss ich noch etwas erledigen.“

„Ihre Spuren verwischen?“ regte Fidster an.

„Eher das Gegenteil. Ich muss mit dem Grinsen sprechen.“

„Warum das denn?“

„Eine bessere Gelegenheit werde ich kaum bekommen, um ihr zu beweisen, dass ich auf ihrer Seite stehe.“

„Und was ist mit dem ÖfAFödaBI? Was wollen sie denen sagen? So ein Mord lässt sich nicht einfach vertuschen. Der Tod einer Agentin der Seidenbrigade wird sicher auch von Kriminalmagiern untersucht werden. Und denen können sie kaum weißmachen, dass das ein Unfall war. Vor allem, wenn sie auch noch mit einer peinlichen Befragung beginnen.“

Für einen Moment schwiegen alle, bis sie sich einer nach dem anderen schüttelten. Keiner von ihnen war bisher auf diese Weise befragt worden, aber die Einleitungsworte des Professors hatten nur zu deutlich gemacht, dass keiner von ihnen ohne ein peinliches Geheimnis war. Und wenn die Spezialisten der Abteilung für unangenehme Befragungen erst einmal damit begannen, alle Geheimnisse hervorzukramen und herzhaft darüber zu lachen, während sie die Details mit ihren Freunden und Familienangehörigen teilten, war bisher noch jeder zusammengebrochen.

Der Professor fasste sich als erster. „Ich habe für solche Situationen vorgesorgt. Aber wahrscheinlich sollten wir versuchen, das ganze fürs Erste zu vertuschen.“

„Wie wollen sie das anstellen?“

„Wir sammeln alles ein, vergraben es, melden den Pylonen als Schadhaft und kontaminieren den Tatort mit so viel Exkrement, dass niemand auch nur hierher kommen will.“

„Ein riesen Haufen A-A? Meinen sie nicht, dass das noch mehr auffällt?“

„Das wird es wohl, aber wenn wir Nordenkeinings Scheißhaufen dafür verwenden, werden alle denken, es wäre der Streich eines Erstsemesterstudenten gewesen, der seinen ersten Zauber ausprobieren wollte.“

„Das ist der erste Zauber, den Erstsemestermagier lernen?“

„Nein. So meinte ich das doch gar nicht.“

„Und wo sollen wir den Zauber herbekommen?“

„Ich habe einen Zauberstab der endlosen Scheiße.“

„Sie haben einen Zauberstab der endlosen Scheiße? Warum? Nein, falsch. Die bessere Frage ist: Warum wird sowas überhaupt hergestellt?“

„Weil ein bedarf dafür besteht? Und jetzt raus. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Ihr könnt ja schon mal mit dem Einsammeln beginnen, während ich mit dem Grinsen spreche.“

Überraschenderweise entfuhr niemandem von ihnen ein Stöhnen. Irgendwie hatten sie alle bereits damit gerechnet, dass der Professor sich vor dem unangenehmen Teil drücken würde. Das hinderte sie jedoch nicht daran, ihm ein paar böse Blicke zuzuwerfen.

Als die drei den Wagen verlassen hatten, öffnete er auf seiner Schiefertafel einen Klönschnackklienten und drückte mit seinem Griffel auf das Bild, welches verdächtig nach dem Banner aussah, welches Cleene vor kurzem noch hatte innehalten lassen: Eine gebogene Linie, die an beiden Enden von kurzen Strichen gekreuzt wurde. Er musste nicht lange warten, bis die Worte „Was willst du, Lakai?“ erschienen.

„Die Seidenbrigade war hier.“

„Was wollte sie?“

„Suchte Doppelagenten.“

„J“

„Nicht komisch.“

„Wie bist du sie losgeworden.“

„Habe sie getötet.“

„Gut.“

Der Professor musste schlucken, denn so ungerne er von der Haartanerin gefangen genommen worden wäre, hatte er sie doch nicht gerne getötet, vor allem weil die damit zusammenhängenden Probleme ohne Hilfe kaum zu bewältigen waren.

„Was nun?“

„Du machst weiter?“

„Soll Cleene zu Euch kommen?“

„Warum sollte sie?“

„Wenn wir gefangengenommen werden, kommt Ihr nicht mehr an sie heran.“

„Nein, sie muss weiterarbeiten.“

„Warum? Was ist so wichtig daran?“

„Sie muss stärker werden.“

„Warum? Damit die Rache mehr Spaß macht?“

„Sie ist mein Yang. Je stärker sie wird, desto mächtiger werde ich.“

„???“ Der Professor hasste Abkürzungen und Sätze, die keine waren. Aber seine Verwirrung ließ in diesem Augenblick nicht mehr zu.“

„Stellst du meine Entscheidungen in Frage, LAKAI?“

„Niemals, großes Grinsen.“

„Gut. Ich werde sehen, wie ich euch unterstützen kann.“

Damit verblasste die Schrift auf der Schiefertafel und hinterließ in dem Professor den Drang, so schnell wie möglich mehr über die Verbindung zwischen den beiden Frauen zu erfahren.

 

 

Verwendete Tropen:

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Abgelehnte Tropen:

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