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9. Kapitel

Kluge Menschen fallen nicht auf einen Fanservice herein, auch wenn im Krankenhaus ungewöhnliche Rezepte ausgestellt werden.

 

„Rumas hat gestern angedeutet, dass Amtszauberer Zwackelmann irgendwelche illegalen Sachen gemacht haben soll.“

„Nicht, Herr Fidster.“

„Was?“

„Nicht diesen Namen.“

„Au hat Recht. Du solltest diesen Namen nicht aussprechen.“

„Bin ich der einzige, der davon nichts wusste? Außerdem kann es doch nicht sein, dass der Name solche Macht besitzt. Ich habe Rumas schon gesagt, dass das ja nur bei Dämonen funktioniert, aber Zwackelmann ist doch nur ein Zauberer.“

„Schon wieder! Kannst du dir nicht wenigstens ein wenig Mühe geben?“

„Ist ja gut. Wenn es euch so wichtig ist, werde ich ihn nicht mehr erwähnen. Aber jetzt erklärt mir wenigstens, was passiert ist und warum er nicht mehr erwähnt werden darf.“

„Wie kannst du das nicht wissen?“

„Das hat mich Rumas auch schon gefragt. Und wie ihm kann ich euch auch nur sagen: Ich war studieren und im Feld. Also: was ist mit Zw… mit dem Zauberer passiert, den wir nicht nennen sollen, dass alle so viel Angst vor ihm haben?“

„Hat der Herr Hauptpylonist schon irgendetwas erzählt? Und was weißt du? Ich möchte das nicht zu weit ausbreiten.“

„Nur das Blubbern habe ich mitbekommen, Herr Professor. Und Rumas hat was von ‘nem Virus gesagt und der Zerstörung eines Turms, und des Hauptgebäudes der ÖfAFödaBI.“

„Das sind wohl die bekanntesten Ereignisse, wobei der Turm nicht zerstört wurde, sondern sich schlicht auflöste. Aber es war etwas komplizierter als das.“ Der hagere Mann stand auf und warf sein zotteliges Haar nach hinten. An einer Schnur zog er eine Karte der Hauptstadt herunter und hielt plötzlich einen langen Zeigestab in der Hand. Fidster wusste, dass sie Karten im Wagen hatten, warum sie jedoch umständlich an der Decke angebracht waren und vor allem warum sie eine Karte der Hauptstadt mitführten, entging ihm. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort jemals einen Pylonen aufstellen würden, war in der Fibonacci-Reihe gleich an erster Stelle angesiedelt.

Der Professor begann nacheinander auf der Karte Punkte zu zeigen: „Der Hauptturm des Rats, der Basispylon und das Hauptgebäude der ÖfAFödaBI. Sie ergeben ein gleichseitiges Dreieck. Wenn ich mich recht erinnere, sollte der Grundkurs in Magietheorie dir einen Überblick über die magischen Formen vermittelt haben. Drei ist als Zahl so magisch wie es werden kann. Quadrate sind fein, Pentagramme wirken sehr hübsch als Anhänger, aber um eine Form zu bekommen, die so magisch wie ein Dreieck ist, muss man schon ein Hexagramm aus zwei Dreiecken nehmen oder gleich zum Kreis weitergehen. Sieben- und Achtecke scheinen gar nicht zu funktionieren. Aber das weißt du vermutlich bereits.“

Fidster nickte, auch wenn er nie bis zu Formen mit mehr als sechs Ecken gekommen war.

„Sie wollen sagen, dass diese Ziele zerstört wurden, weil sie ein magisches Dreieck ergeben. Und Zwackelmann“, Au zog scharf die Luft ein „hat ein Ritual in einem ziemlich großen Rahmen durchgeführt. Ist das richtig, Herr Professor?“

„Du hast es erfasst.“

„Und was hat das Ritual bewirkt?“

„Das ist das Problem: Niemand weiß es. Zumindest nach allem, was ich gehört habe. Genauso wenig weiß man, warum er es getan hat. Seine Kollegen behaupten, er hätte sich in den Monaten zuvor bereits sehr auffällig verhalten und immer davon gesprochen, dass eigentlich den Amtsmagiern die Macht im Reich zustehen würde. Du kennst sicher dieses Gefasel von der Herrschaft der Übermenschen. Das ist wohl immer die Gefahr, wenn man zu viel Zeit mit dem Studium magischer Mächte verbringt. Was man herausfinden konnte, war, dass er nicht alleine gearbeitet hat. Angeblich hat ihm seine Assistentin geholfen. Einige Zeugen behaupten, sie sei bei dem Ritual verstümmelt worden, genaueres weiß ich aber nicht darüber.“

„Und was ist aus ihm geworden? Bei dem ganzen Brimborium, dass um ihn gemacht wird könnte man glaube, er hat sich einen Thron auf Tartaros Nasenspitze aufgestellt und wartet jetzt nur darauf, dass ihm jemand einen Grund liefert, sein Ritual zu wiederholen.“

„Wenn wenigstens so viel bekannt wäre, würden vermutlich viele Federkielschubser ruhiger schlafen. Aber ich glaube, das Klopfen gegen die Vorbaustangen künden von einem ungeduldigen Kollegen.“

„Ach, shazbottie Smeg“, stieß Fidster hervor, nicht leise genug, um Au das Erröten zu ersparen. „Ja, ich komme ja schon!“ Er drückte sich mühsam in die Höhe und humpelte zum Ausgang, während die beiden am Tisch ihm nachblickten.

„Wie willst du mit dem Hauptpylonisten mithalten, so wie du gehst?“

„Das ist eine sehr gute Frage, Herr Professor. Aber ich hab‘ kaum ‘ne Wahl.“

„Aber Herr Fidster, sie können doch kaum gehen. Wollen sie nicht wenigstens mit Herrn Hauptpylonisten Rumas sprechen?“

Der böse Blick, den Fidster Au zuwarf verlor ein wenig an Kraft, als der Schmerz von der Drehung seines Oberkörpers seinen Nacken erreichte.

„Darf ich dich daran erinnern, Au, wie dein letzter Versuch mit ihm zu sprechen, geendet hat?“

„Ich spreche mit ihm.“

„Herr Professor, auch sie haben bisher nicht die besten Ergebnisse in Gesprächen mit ihm erzielt. Als er ankam sind sie alleine bei seinem Namen in Panik verfallen.“

„Ich habe es unter Kontrolle.“

 

Natürlich war es nicht so einfach, wie keiner von ihnen es sich vorgestellt hatte.

Es dauerte fast eine Stunde, bis der Professor überhaupt seine Bitte vorgetragen hatte. Stottern, Gestammel und falsch verstandene Höflichkeit, die zu einem unnötigen Schwall an unnötigen Wörtern führte, verzögerten die Angelegenheit unnötig.

Als sie den Wagen verließen, hatte sie Rumas mit den üblichen Beleidigungen über ihre Trägheit, die verschwendete Zeit und die Unfähigkeit des Teams begrüßt. Anschließend hatte er sehr intensiv zugehört. Es war diese Art von Zuhören, die jeden Sprecher zu einem rhetorischen Krüppel werden ließ, was vermutlich einige der sprachlichen Probleme des Professors erklärte.

Bald bekam man jedoch den Eindruck, dass das Schweigen ihn erschöpft hatte, weswegen niemand von der Tirade an halbgaren Gegenargumenten überrascht war.

In der vierten Phase der Verhandlungen ging es dann schließlich nur noch um die Formalien, denn der Professor bestand als Verantwortlicher darauf, Fidster bei seinem Arztbesuch zu begleiten.

Endlich wurde es für einen kurzen Moment still bis der Hauptpylonist einen Greifarm ausfahren ließ, der aus seinem Kofferraum zwei Gurte hervorzauberte.

„Festbinden müsst ihr euch selber“, war sein einziger Kommentar, als er ihnen die Gurte aushändigte und langsam anrollte.

 

Die ÖfAFödaBI unterhielt bei jeder 46. Pylone eine Servicestation, in der die gängigsten Gebrauchsgegenstände aufgefüllt und psychologische Beratung eingeholt werden konnte. Die Therapeuten waren meist auch in den grundlegenden medizinischen Praktiken ausgebildet. Man konnte der ÖfAFödaBI viel vorwerfen, aber nicht, dass sie unnötige Maßnahmen ergriffen, weswegen diese Praxis ein eindeutiges, wenn auch eigenwilliges, Bild auf den durchschnittlichen Pylonisten warf.

Als die kleine Gruppe neben der Station eintraf, fiel zuerst nur Rumas der marode Zustand des Gebäudes auf. Unter normalen Umständen wäre diese Tatsache auch dem Professor und Fidster nicht entgangen. Allerdings hielten sie ihre Augen fest geschlossen und benötigten noch eine ganze Weile, um ihren Griff zu entkrampfen. Der Professor, der am nächsten Tag damit begann, seine Memoiren zu schreiben, bemerkte auf der zweiten Seite zu dieser Reise:

„Ich habe oft den Klagen meiner Kollegen aus dem Feld gelauscht und gewiss zu gelassen auf ihre Begegnungen mit Monstern, Schlingpflanzen und Treibsand reagiert. Andererseits habe ich immer voller Bewunderung jenen modernen, magieschnittigen Gefährten nachgeschaut, die die Reise entlang der Pylonenstrecken so mühelos, ja vergnüglich aussehen lassen. Oft habe ich ihnen voller Sehnsucht nachgeblickt und mich gewundert, wie sich wohl der thaumische Wind in meinem Gesicht anfühlen, wie sehr die wirbelnde Luft meine Haare zerzausen und wie groß die Auswirkung des Energieflusses auf die Hypophyse bei Schlafentzug sein würde.

All dies vergaß ich jedoch an jenem Tag. Niemand, der sich nicht verzweifelt an einen pylonengetriebenen Rollstuhl geklammert hat, wird nachvollziehen können, welches Grauen einen erfasst, wenn die Füße während einer Fahrt mit lächerlichen Geschwindigkeit langsam von der Achsenkuppe rutschen. Noch wird er begreifen, wie schwer es ist, die Hände von den Armlehnen zu lösen, nachdem das unheilige Gefährt endlich zum Stehen gekommen ist, selbst wenn mehrere hilfreiche Psychotherapeuten an einem Ziehen. Der Instinkt ist nicht in der Lage, die Realität einzuholen, um zu begreifen, dass die Polsterung eben dieser Lehne sich jetzt  nicht mehr langsam vom darunterliegenden Metall abschält.“

Fidster schien im ersten Moment nicht weniger mitgenommen zu sein, verbuchte dieses Erlebnis jedoch nach wenigen Minuten unter all den anderen unangenehmen Erinnerungen, die ihn vielleicht ab und an Nachts aufschrecken lassen, aber keinen weiteren Einfluss auf sein Leben haben würden. Er verglich es kurz mit Situationen, in denen er auf menschenähnliche Körper getreten, auf der Flucht vor Riesenhornissen im Wachs steckengeblieben oder einer nymphomanischen Finanzmagierin und ihrem Höllenhund ausgesetzt gewesen war Er fand, die Fahrt rangierte höchstens auf Platz 39 der schlimmsten Ereignisse seines Lebens.

Bestimmt half ihm auch, dass der Anblick der Hauptpsychologin für vieles Entschädigte, was er sich in den letzten Monaten hatte ansehen müssen. Sie war schlank, aber an den richtigen Stellen gepolstert, ohne dabei unsportlich zu wirken. Ihr langes, blondes Haar umgab ihren Kopf in einer glänzenden Wolke und ihre blauen Augen leuchteten die Neuankömmlinge freundlich an. Entgegen jeder Kleidervorschrift des ÖfAFödaBI trug sie nur ein Tuch um die Brust und einen sehr kurzen Rock, der ihre glatten, langen Beine zur Schau stellte.

„Ich muss mich für meine Aufmachung entschuldigen. Ein bipolarer Magmawolfwer war mit seiner Behandlung unzufrieden und es ist mir nichts anderes übrig geblieben, als mir notdürftig etwas aus ein paar Handtüchern zusammenzuschneidern.“

Sie reichte Simca Rumas die Hand, der wenig beeindruckt von ihr zu sein schien. Dann begrüßte sie Fidster, der genau wusste, wie bescheuert sein Grinsen aussehen musste, es aber nicht abstellen konnte. Zuletzt kam sie zum Professor, der sie zuerst nicht einmal beachtet.

„Wie heißt denn der Patient? Wie lange ist er bereits katatonisch?“

„Das ist der Professor. Und eigentlich bin ich der Patient. Er muss sich nur von der Reise erholen.“

„DER Professor?“

„Ja. Ich mein, ich weiß nicht. Wir nennen ihn nur den Professor. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass andere ihn auch so nennen könnten.“

„Wenn das der Professor ist, dann … oh, ich bin so aufgeregt.“

In diesem Moment quollen unzählige Fragen in Fidsters Gedankengängen hoch. Was hatte er in den letzten Monaten eigentlich über seinen direkten Vorgesetzten erfahren? Nur dass er ein brillanter Tüftler mit einem eklatanten Mangel an Vorsicht und einer noch eklatanteren Missachtung für das Leben anderer Menschen war. Wenn er jedoch tatsächlich in einem bestimmten Kreis eine Berühmtheit war, könnte Fidster vielleicht endlich ein paar Hintergrundinformationen über ihn erhalten, die seine Position bei späteren Gehaltsverhandlungen stärken würden. Nur dass die Therapeutin ihm keine Gelegenheit gab, auch nur eine Frage zu stellen. Sie beachtete ihn nicht einmal mehr, sondern widmete sich ganz dem taumelnden Professor. Sie ließ sogar einen Stuhl heranholen, was für ihren eigentlichen Patienten im doppelten Sinne schmerzhaft war, da sein Unterleib nach etwas Entlastung schrie. Und dann hörte er sie auch noch turteln.

„Sind sie wirklich der Professor? Der Erfinder des Psychotronen Neo-Pseudopsychopomps? Ich bin so aufgeregt. Sie können gar nicht ermessen, wie sehr dieses Gerät mein Leben verändert hat.“

Einen Augenblick lang sah der Professor die Frau vor ihm noch etwas benebelt an, besann sich aber schließlich, als er begriff, wovon sie gesprochen hatte. „Wirklich? Sie schmeicheln mir. Es ist doch nur eine kleine Erfindung. Ich hatte immer geglaubt, dass sich niemand dafür interessieren würde.“

„Nicht dafür interessieren? Wenn nur jeder die positiven Veränderungen begreifen würde, die eine wiederholte Anwendung im Gehirn auslöst, dann würden wir in einer ganz anderen Welt leben.“

„Das habe ich der ÖfAFödaBI auch versucht zu erklären. Ich habe aber immer nur zu hören bekommen, dass der psychotische Feedback eine zirkuläre Selbstbestätigungskaskade verursachen könnte.“

„Ach, das habe ich auch von Kollegen gehört. Dabei sorgt doch der psionische Phasenunterbrecher automatisch für eine Rekalibrierung des sekundären neuronalen Flusses.“

„Eben. Das ist das, was ich immer gesagt habe. Es ist so schön, dass es jemanden gibt, der die Vorgänge so gut durchblickt hat, wie sie.“

In diesem Moment begriff Fidster, dass „turteln“ zu kurz griff. Bei diesem Gespräch handelte es sich eindeutig um eine Form des Vorspiels für irgendeine Art des Geschlechtsverkehrs, der vermutlich nur von Professoren und Psychotherapeuten verstanden wurde.

Er warf dem Hauptpylonisten einen zaghaften Blick zu. Der Rollstuhlfahrer antwortete mit einem Ausdruck tiefempfundenen Leidens. Es war das einzige Mal, dass so etwas wie ein Gefühl der Gemeinschaft zwischen ihnen entstand.

„Ich habe mir nach ihren Plänen einen eigenen Psychotronen Neo-Pseudopsychopomp gebaut. Oh je. Ich hoffe, er hat die Zerstörung überlebt.“

„Lassen sie uns nachsehen. Wenn er beschädigt ist, dann können wir ihn ja vielleicht gemeinsam …?“

„Es wäre mir eine große Ehre. Ach, was sage ich: ich hoffe jetzt schon fast, dass der Psychotronen Neo-Pseudopsychopomp beschädigt ist, damit wir ihn zusammen reparieren können.“

Auf beiden Gesichtern grub sich ein so debiles Lächeln ein, dass Fidster kaum noch glauben konnte, sich in der Nähe zweier intelligenter Menschen zu befinden. Sie hatten nur Glück, dass diese Begegnung nicht in einer jener magiestarken Zonen wie Kumuluseulenheim stattfand. Dort wären in dem Feld, welches durch das Übermaß an Begeisterung zwischen ihnen entstand, niedliche Katzen, plüschige Hündchen und – Fidster konnte den Brechreiz kaum unterdrücken – Einhörner entstanden, um anschließend fröhlich frohlockend in ein Lied einzustimmen und um die beiden herumzuspringen.

Das Leben in einer magischen Welt steckte voller ungeahnter Gefahren.

Endlich ergriff der Professor die Hand der Frau vor ihm und gemeinsam gingen sie zum beschädigten Heilercheckpoint. Fidster blickte sich nach dem Hauptpylonisten um, der sich desinteressiert mit einigen anderen Patienten der Station unterhielt.

„Ich bewundere ja immer noch die einfache und vor allem logische Anwendung. Nur zwei Knöpfe, deren Einstellungen sich bilateral beeinflussen. Wenn man es erst einmal verstanden hat, möchte man nichts anderes mehr verwenden.“

„Ganz meiner Meinung. Dabei war dies sogar einer der größten Kritikpunkte, die ich von meinen Kollegen zu hören bekommen habe. Sie haben einfach nie das Handbuch gelesen.“

„Solche Banausen! Aber ich gebe zu, dass mir die Genialität dieses Interfaces erst auf Seite 69 aufgegangen ist. Und dabei haben sie noch nicht einmal alle Anwendungsmöglichkeiten beschrieben.“

„Habe ich nicht?“

„Seien sie nicht so bescheiden. Sein volles Potential entfaltet der Psychotronen Neo-Pseudopsychopomp doch erst, wenn man ihn einseitig übersteuert. Erst in diesem Fall eröffnet das Gerät seine volle Wirkkraft. Es hat mir die Augen geöffnet. Es hat mein Leben bereichert. Ich weiß nicht, was ich heute noch ohne ihn anstellen würde.“

„Verwenden sie es auch für ihre Patienten.“

„Selbstverständlich! Ich habe sogar einen Verstärker in meinem Büro eingerichtet.“

„Was sie nicht sagen. Sie müssen mir wirklich alles darüber berichten. Vor allem, wie sich die subzerebralen Schwingungen auf Patienten mit Posttransformations Belastungsstörungen auswirkt.“

Damit verschwanden die beiden in dem halb eingestürzten Gebäude und Fidster blieb als Entschädigung nur ein letzter Blick auf den ansehnlichen Po seiner Therapeutin.

 

Der Pylonist hätte gerne die Zeit bis zur Rückkehr seines Chefs schlafend auf dem Stuhl verbracht, den die Therapeutin zurückgelassen hatte. Aber immer, wenn er am einnicken war, tauchte Simca in einem unerwarteten Winkel auf und beleidigte ihn genüsslich.

„Wenn du Sitzen kannst, kann deine Verwundung ja nicht so schlimm sein. Aber ich habe ja von Anfang an gesagt, dass du ein Simulant bist“, war noch das harmloseste. Es folgten: „Deine unglaubliche Unfähigkeit lässt uns noch weiter im Plan zurückfallen. Aber von Plänen verstehst du ja nichts.“, „Nur, weil du ein jämmerlicher Wurm bist, der nichts von Frauen versteht, hängen wir hier jetzt rum“ und „Du musst bei den Tests betrogen haben. Eine andere Erklärung gibt es nicht, dass ein solcher Nichtskönner wie du Aufnahme bei der ÖfAFödaBI finden konnte.“

Also nichts Neues.

Gefühlte zehn Stunden später – Simcas Rollstuhl hatte inzwischen einen handtiefen Graben um den Stuhl gefahren, auf dem Fidster saß – erschienen die beiden Wissenschaftler wieder vor dem Gebäude. Sie lachten und gingen eng umschlungen. Die Therapeutin hatte den Kittel des Professors umgeworfen, der in der leichten Brise jedoch nur dazu diente, ihre Figur zu akzentuieren.

„Ich hätte nie gedacht, dass die Verkabelung mit Galdurdraht so einen Unterschied machen würde.“

„Ich hatte es immer vermutet. Hättest du es jedoch nicht vorgeschlagen, dann hätte ich es vermutlich nicht versucht.“

„Bis zum nächsten Mal probiere ich, den Draht noch besser zu isolieren. Dann verlieren wir vielleicht weniger Thaum und die gerichtete Anwendung wird optimiert.“

„Und ich werde den Output optimieren, indem ich den Shaeudhanormstecker revers polarisiere.“

„Müsst ihr wirklich schon gehen?“

„Du weißt doch: der Außendienst hat strenge Vorgaben.“

„Ja, ich weiß. Aber es ist so schön, ein wenig Fachsimpeln zu können. Ah, da ist ja auch mein Patient.“

Der elegante Sprung der Therapeutin über den Graben ließ Fidsters Hormone ein weinig schneller durch seine Adern strömen, ihr Blick zeigte jedoch nur marginales Interesse, dass sich sowieso nicht weiter als bis zu seiner Verwundung erstreckte.

„Der Professor hat mir bereits erzählt, was geschehen ist. Ich denke, das haben wir schnell repariert.“ Auch wenn ihre Worte sachlich blieben, wurde Fidster puterrot. Fidster zweifelte nicht daran, dass der Professor alle Einzelheiten preisgegeben hatte. Er war kein Mensch, der beim Leiden anderer ein Blatt vor den Mund genommen hätte.

„Dreh dich einmal um und beug dich vorne über.“ Sie tätschelte kurz sein Hinterteil. Ihre nächsten Worte klangen, als würde sie mit einem Sechsjährigen sprechen: „Gleich ist alles wieder gut.“

Fidster sah noch, wie sie aus einer ihrer Kitteltaschen eine kleine Zauberkeule herauszog. Wenig später traf ihn ihr Schlag mit dem schweren und harten Kopf des Gerätes. Er stieß ein quiekendes „Huh“ hervor und fühlte sich wie Au, als er merkte, dass ihm das Blut in den Kopf schoss und Puterrot in sattes Scharlach verwandelte. Simcas grinsen machte die Situation nicht besser.

Aber wenigsten verschwand der Schmerz, dessentwegen sie hierhergekommen waren, auch wenn er noch einige Tage etwas von dem blauen Fleck an seinem Gesäß haben würde.

Fidster hätte sich gerne bei der Frau bedankt, auch wenn sein eigentlicher Grund dabei gewesen wäre, ihr wenigstens ein einziges Mal in die Augen blicken zu können. Als er sich ihr jedoch wieder zuwandte hielt sie bereits wieder Händchen mit dem Professor.

„Dir gebe ich lieber auch ein Rezept mit.“

„Ein Rezept? Aber wo, wenn nicht hier, soll ich es einlösen?“

Mit einem schelmischen Lächeln zog die Frau ihren Block aus der anderen Kitteltasche, schrieb schnell etwas darauf und riss den obersten Zettel ab, um ihn dem Professor zu überreichen.

Dieser brauchte länger als erwartet, um die Worte zu entziffern, aber wer konnte schon die Handschrift eines Therapeuten lesen?

„So, regelmäßige Besuche. Wenn das eine Anweisung von meiner Therapeutin ist, muss ich ihr wohl oder übel nachkommen.“

Für einen kurzen Moment hatte man den Eindruck, als würden sie sich gleich in den Arm fallen, um alle umstehenden mit einem langen, ausdauernden und wollüstigen Kuss in Verlegenheit zu bringen. Glücklicherweise stieß der Hauptpylonist ein Geräusch hervor, welches man nur mit viel gutem Willen als Räuspern beschreiben konnte.

„Wir müssen uns jetzt wirklich wieder auf den Weg machen. Vielleicht schaffen wir noch einen Pylonen.“

Ohne sich umzublicken, rollte er bereits zum Pylonenstrahl.

„Ich melde mich“, „Ich werde darauf warten“, turtelten sich die beiden noch einmal zu und Fidsters einziger Trost war es, dass der Professor nach der Rückfahrt kaum an sie denken können würde.

 

 

Verwendete Tropen

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Abgelehnte

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